Ejakulatuntersuchungen im MLO gemäß WHO-Richtlinien

Labor- und Fachinformationen
|   Endokrinologische Diagnostik

Seit Februar 2012 bieten wir aufgrund zahlreicher Nachfragen wieder Spermiogramm-Untersuchungen nach den neuen WHO-Richtlinien und RiLiBÄK-Vorgaben am Laborstandort in Bautzen an.

Im Vorfeld haben wir unsere Methodik an die Richtlinien “WHO laboratory manual for the Examination and processing of human semen” in der aktuell gültigen 5. Auflage angepasst.
Die wichtigsten Änderungen bezüglich der Befunddarstellung und den Referenzbereichen entnehmen Sie bitte der Rückseite dieser Laborinformation.

Gemäß der geltenden WHO-Richtlinie und dem Abschnitt B4 Ejakulatuntersuchungen der RiLiBÄK nimmt das MLO regelmäßig an den Ringversuchen für Spermiogramme der Deutschen Gesellschaft für Andrologie teil.

Aufgrund der geänderten Richtlinien sowie auch aus organisatorischen Gründen werden wir Spermauntersuchungen ab Februar 2012 nur noch einmal wöchentlich mittwochvormittags durchführen. Entsprechende Spermaproben sollten am Morgen des Untersuchungstages frisch gewonnen und in der Zeit von 7 bis 9 Uhr im Labor Bautzen (Töpferstr. 17, 02625 Bautzen) abgegeben werden. Eine spätere Abgabe kann nur nach tel. Vorinformation berücksichtigt werden.

Darüber hinaus sollte dem Patienten ein Handzettel zur Probengewinnung ausgehändigt werden, der über die korrekte Probengewinnung und notwendige Daten (Datum/Uhrzeit, Vollständigkeit der Probe, Karenz etc.) informiert. Diese Informationen sind für die Interpretation, insbesondere bei auffälligen Ergebnissen, wichtig. Eine Bestätigung der Kenntnisnahme dieser Informationen sollte der Patient mit der Probe abgeben. Als Anlage zu dieser Laborinformation übersenden wir Ihnen unseren Entwurf für eines solchen Beiblatt zu,welches sie gerne über uns beziehen können.

Bei weiteren Rückfragen können Sie uns jederzeit gern telefonisch unter der Rufnummer 03591 – 48900 erreichen (Ansprechpartner: Herr Kirchner).

Neue WHO-Richtlinien für Spermienuntersuchungen

Die Normwerte für die Erstellung des Spermiogramms sowie die Verfahrensschritte für dessen Erstellung wurden durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegt und Anfang 2010 in der 5. Auflage des Handbuchs “WHO laboratory manual for the examination and processing of human semen” veröffentlicht.

Folgende Neuerungen bei der Beurteilung der Morphologie sind hervorzuheben:

  • Der Normwert – 4 % normal geformte Spermien – (vormals 25 %) wurde anhand zahlreicher Studien zur in-vitro-Fertilisation (Coetzee et al., 1998), intrauteriner Insemination (Van Waart et al., 2001) und in-vivo Fertilität (Van der Merwe et al., 2005) an fertilen Männern ermittelt.
  • Die zweite wesentliche Änderung betrifft die Beweglichkeit der Spermatozoen. So wird aktuell nicht mehr zwischen schnell und langsam vorwärtsbeweglichen Spermien unterschieden (sog. WHO Kat. a / b). Diese beiden Kategorien werden nach den neuen Richtlinien in der Kategorie – progressiv beweglich (PR) – zusammengefasst. Weiterhin wird eine Einteilung in non-progressiv bewegliche (NP) und immobile Spermien (IM) vorgenommen.
  • Ein weiterer wichtiger Punkt in der 5. Auflage des WHO-Handbuchs sind die neuen Anforderungen bei der Qualitätssicherung, vor allem in Hinblick auf die Bestimmung der Spermienkonzentration (resp. Gesamtspermienzahl), unter Berücksichtigung desmethodisch abhängigen Zählfehlers. Der Zählfehler steigt methodisch bedingt mit abnehmender Spermienkonzentration. Da jedoch eine genaue Spermienanzahl in niedrigen Konzentrationsbereichen für die meisten klinischen Fragestellungen nicht notwendig ist, erfolgt die Angabe < 2 Mio. Spermien/ml. Wenn darüber hinaus eine genaue Anzahl klinisch essentiell ist (z. B. nach Vasektomie), dann bitten wir Sie, uns dies auf dem Überweisungsschein mitzuteilen, damit wir eine weitere Quantifizierung durchführen können. (Bitte beachten Sie: Ejakulatuntersuchungen im Rahmen einer Vasektomie sind keine GKV-Leistung!)