Freie Leichtketten im Serum

Analysenverzeichnis
Parameter
Untersuchung wird im Labor Dresden erbracht.
MaterialAbnahmehinweise

0,3 ml Serum

  • Haltbarkeit bei Zimmertemperatur ca. 1 Woche, im Kühlschrank ca 2 Monate.
Referenzbereich
Kappa:  3,3 - 19,4mg/l
Lambda:5,7 - 26,3mg/l
κ/λ-Quotient: 0,26 - 1,65 
   
Methodenbedingte Grauzone: 0,26 - 2,93 
Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion: 0,37 - 3,10 
Maligne Plasmazellerkrankung wahrscheinlich:0,05 - 0,25 bzw. 5,0 - 10,0 
Maligne Plasmazellerkrankung sehr wahrscheinlich:<0,05 bzw. >10,0 

 

Methode

immunologischer Trübungstest

 

Hinweise
 

Beschreibung:

 
  • Immunglobuline (Ig) bestehen aus zwei identischen schweren und zwei identischen leichten Ketten. Die Leichtketten können vom Typ Kappa (κ) oder Lambda (λ) sein. Sie werden bei der Ig-Synthese immer im Überschuss gebildet, so dass neben den intakten Ig auch freie Leichtketten (FLC) in das Blut gelangen. Das κ/λ-Verhältnis beträgt dabei etwa 1:1,6. Bei krankhafter Vermehrung von Plasmazellen, wie sie bei monoklonalen Gammopathien unbestimmter Signifikanz (MGUS), multiplen Myelomen (MM) oder anderen B-Zell-Dyskrasien beobachtet werden, ist dieses Verhältnis gestört. Bei Überschreitung spricht man in diesem Fall von monoklonalen freien Kappa-Leichtketten (mFLK) und bei Unterschreitung von monoklonalen freien Lambda-Leichtketten (mFLL). Neben diesen gestörten Syntheseverhälnissen treten bei Nonsekretorischen Myelomen bzw. bei Leichtketten-Myelomen (den sog. Bence-Jones-Myelomen) ausschließlich mFLK bzw. mFLL auf.
 
Dignostische Hinweise:
  • Zur Beurteilung der FLC-Werte können folgende Parameter herangezogen werden:
    • κ/λ-Quotient (κ/λ-Ratio)
    • Konzentration der involvierten (tumorassoziierten) FLC
    • Konzentration der nicht-involvierten (nicht-tumorassoziierten) FLC
    • dFLC (Differenz zwischen tumor- und nicht-tumorassoziierter sFLC-Konzentration)
  • Für serielle Messungen während der Verlaufskontrolle wird die Verwendung der dFLC bzw. der involvierten FLC empholen, da bei niedrigen Konzentrationen der nicht-involvierten FLC der κ/λ-Quotient durch analytische Effekte beeinflusst werden kann.
  • Bei ausschließlicher Messung der involvierten FLC während der Verlaufskontrolle kann ein biklonaler Switch bzw. der Einfluss einer polyklonalen Erhöhung der FLC übersehen werden. Es empfielt sich deshalb die regelmäßige Kontrolle mittels Immunfixations-Elektrophorese (Serum)
  • Ein pathologischer κ/λ-Quotient ohne monoklonalen Hintergrund ist für niereninsuffiziente Patienten beschrieben worden. Für diese gilt der modifizierte Normbereich
  • Je größer die Abweichung des κ/λ-Quotienten vom Normalbereich, desto wahrscheinlicher ist das Vorliegen einer malignen Plasmazellerkrankung
 
Klinische Bedeutung, Indikation

Indikationen:
  • Diagnose(Screening) von Leichtketten Myelomen (LCMM, Bence-Jones-Myelom), Nonsekretorischen Myelom (NSMM), Leichtketten-Ablagerungs-Erkrankungen (AL-Amyloidose und Light Chain Deposition Disease (LCDD))
  • Langzeitverlaufskontrolle bei MGUS: Früherkennung von Myelomen mit Zusatzinformationen zur Knochenmarksuppression und / oder Niereninsuffizienz
  • Risikostratifizierung bei MGUS (Abschätzung des Progressionsrisikos): monoklonale freie Leichtketten, widerspiegelt durch den κ/λ-Quotienten, korrelieren mit der Malignität; dies ermöglicht eineEinteilung der Patienten in Niedrig- und Hochrisikogruppen mit den entsprechenden Konsequenzen für Häufigkeit und Umfang der Verlaufskontrolle (d.h. weniger Biopsien, Röntgen, CT und MRT)
  • Verlaufs- und Therapiekontrolle bei MM: zeitnahes, empfindliches Monitoring insbesondere bei IIMM, da gute Korrelation zur Tumormasse (infolge kürzerer biologische Halbwertszeiten der FLK, 2-6 h gegenüber 20 - 25 d der intakten Immunglobuline und 100-facher Sensitivität) oder bei der FLC-Entfernung von MM-Patienten mit liechtkettenbedingten Nierenversagen
  • Bewertung des Response-Verhaltens beim MM:
    • Stringente komplette Remision (sCR): u.a. normaler κ/λ-Qoutient
    • Messbare Erkrankung*): abnormaler sFLC-Quotient und tumorassozierte sFLC >= 100 mg/l
    • partielle Response*): >= 50 % Reduktion der Differenz zwischen tumor- und nicht-tumorassoziierter sFLC-Konzentration
    • Progressive Erkrankung*): > = 25% Anstieg der Differenz zwischen tumor- und nicht-tumorassoziierter sFLC-Konzentration, wobei absoluter Anstieg > 100 mg/l
    *) wenn kein M-Protein mittels Serumproteinelektrophorese (SPE), 24h Urinproteinelektrophorese (UPE) oder quantitativer Immunglobulin-Analyse nachweisbar
  • Erkennen von Light Chain Escapes, d.h. eines sFLC-Anstiegs ohne maßgebliche Änderung der Ig-Konzentration beim Rezidiv von MM-Patienten mit intaktem Ig
  • Alternative zur Quantifizierung der Urinleichtketten: 10 fach höhere Sensitivität als IFE, kein Aufkonzentrieren, kein Diureseeinfluß, keine 24h-Urinsammelprobleme, bessere Reproduzierbarkeit
  • Siehe auch Monoklonale Gammopathien

Stand vom: 30.07.2017